Zu groß, zu gefährlich, zu viel Verkehr

1 April 2011 | Luxembourger Wort

Die Skepsis überwiegt: Die beiden Minister konnten längst nicht alle Bedenken der besorgten Anwohner ausräumen.
 
Handlungsbedarf: Laut Infrastrukturminister Claude Wiseler und Energieminister Jeannot Krecké führt kein Weg an dem neuen Tanklager vorbei, da die aktuellen Ölreserven des Landes nicht ausreichen. Informationsversammlung zum Thema Tanklager im Westen der Hauptstadt. Infrastrukturminister Wiseler und Energieminister Krecké versuchen, die Bedenken der Anwohner auszuräumen.
 
Im Vergleich zum Vortag waren am Mittwochabend weitaus weniger Interessenten zu der Informationsversammlung gekommen. Nur etwa 90 Interessenten, darunter viele Politiker jeglicher Couleur, hatten sich im Vereinshaus in Hollerich eingefunden, um von Infrastrukturminister Claude Wiseler und Energieminister Jeannot Krecké Details zu den zwischen Merl und Leudelingen geplanten Tanklagern in Erfahrung zu bringen. Nicht alle besorgten Bürger gingen überzeugt nach Hause.
Die Skepsis überwiegt: Die beiden Minister konnten längst nicht alle Bedenken der besorgten Anwohner ausräumen.
 
Handlungsbedarf: Laut Infrastrukturminister Claude Wiseler und Energieminister Jeannot Krecké führt kein Weg an dem neuen Tanklager vorbei, da die aktuellen Ölreserven des Landes nicht ausreichen. Informationsversammlung zum Thema Tanklager im Westen der Hauptstadt. Infrastrukturminister Wiseler und Energieminister Krecké versuchen, die Bedenken der Anwohner auszuräumen.
 
Im Vergleich zum Vortag waren am Mittwochabend weitaus weniger Interessenten zu der Informationsversammlung gekommen. Nur etwa 90 Interessenten, darunter viele Politiker jeglicher Couleur, hatten sich im Vereinshaus in Hollerich eingefunden, um von Infrastrukturminister Claude Wiseler und Energieminister Jeannot Krecké Details zu den zwischen Merl und Leudelingen geplanten Tanklagern in Erfahrung zu bringen. Nicht alle besorgten Bürger gingen überzeugt nach Hause.
 
Die Tanklager sind unbedingt erforderlich, weil die aktuellen Ölreserven des Landes einfach nicht ausreichen, so die beiden Minister immer wieder mit Nachdruck. Eigentlich müsste Luxemburg über eine Reserve für 90 Tage verfügen. Weil das Land aber so klein ist, konnte seinerzeit eine Ausnahmeregelung von 45 Tagen beim Benzin und von 55 Tagen beim Diesel ausgehandelt werden. Doch auch diese Menge ist nicht jederzeit verfügbar, weil nur 196 000 m3 der erforderlichen 495 000 m3 auf luxemburgischem Territorium gelagert werden, die restlichen Reserven befinden sich im Ausland. „Das reicht maximal für 15 Tage“, erklärte Wirtschaftsminister Jeannot Krecké. Dass dies aber nicht ausreichend sei, habe sich zuletzt im Dezember vergangenen Jahres gezeigt: Damals waren die Reserven auf eine einzige Tagesration zusammengeschrumpft, weil der Nachschub wegen der vereisten Straßen und wegen des Hochwassers auf der Mosel unterbrochen war, so Krecké weiter. Hinzu kommt, dass die Genehmigungen für die existierenden Lager in Bartringen, Cessingen, Leudelingen und auf Findel zwischen 2012 und 2019 auslaufen. Für die Regierung besteht also dringender Handlungsbedarf.
 
„Was die Standorte anbelangt, gibt es keine hundert Möglichkeiten“, erklärte Minister Wiseler. Zum einen muss das Gelände relativ groß sein, es muss über eine Schienen- und eine Autobahnanbindung verfügen, es muss sich relativ nahe am Endverbraucher befinden, und es darf nicht zu nahe an den Wohngebieten liegen. Am Ende blieben nur Niederkerschen und der Westen der Hauptstadt.
 
Trotz aller Bemühungen konnten die beiden Minister aber die Bedenken der Anwohner nicht ganz ausräumen. Bei der recht angeregt verlaufenden Diskussion standen vor allem die Sicherheitsbedenken und der Verlust an Lebensqualität im Mittelpunkt. Ob die Tanklager nicht explodieren könnten, wollte ein Zuhörer wissen, zudem würde sich das Gebiet nahe der Einflugschneise des Flughafens befinden, meinte ein anderer. Das Argument der Flugzeuge versuchte Minister Krecké zu entkräften, indem er erklärte, dass die Einflugschneise sich weiter südlich befinden würde. Und Gefahr einer Explosion sei minimal, da die Tanks auf dem neusten Stand der Technik seien. Das habe man bei den Atomkraftwerken in Japan auch gesagt, so ein Zwischenruf aus dem Saal.
 
„Die Rue des Celtes wird vollständig gesperrt“
 
Viele Fragen drehten sich zudem um den Verlust der Lebensqualität. Vor allem die Einwohner aus der Rue des Celtes in Merl zeigten sich besorgt, dass das Verkehrsaufkommen in der ohnehin stark befahrenen Straße durch die Tanklastwagen noch zunehmen könnte. In diesem Punkt war Minister Wiseler dann auch sehr konkret: „Bevor die Tanklager gebaut werden, wird die Rue des Celtes vollständig für den Verkehr gesperrt“, so Wiseler. Der Zugang zu den Tanklagern soll über eine neue Straße erfolgen, die an dem Ortskern vorbeiführt. Außerdem gehen die Minister Wiseler und Krecké davon aus, dass das Verkehrsaufkommen durch die Tanklastwagen insgesamt zurückgehen wird, weil die aktuellen Lagerstätten in Cessingen und in Bartringen dann der Vergangenheit angehören werden. Zudem würden in den Tanks vor allem sogenannte „schlafende Reserven“ eingelagert, ein Weitertransport werde also nur sporadisch erfolgen.
 
Doch auch die Aussicht auf eine neue Straße stellt nicht alle Besucher der Informationsversammlung zufrieden. Wenn die Rue des Celtes gesperrt werden soll, entfalle der Schleichweg, der es bislang ermöglichte, die oft im Verkehrschaos versinkende Autobahn zu umfahren, so ein Einwand. Außerdem werde durch die Vollsperrung der Zugang zum Wald, der als Naherholungsgebiet dient, versperrt.
 
Auch die Frage um die Verhältnismäßigkeit beschäftigte die besorgten Bürger. Ob das Lager mit einer geplanten Kapazität von 300 000 m3 nicht viel zu groß sei, war denn auch eine Frage, die gleich mehrfach gestellt wurde. Schließlich müsse man davon ausgehen, dass der Energieverbrauch in Zukunft zurückgehen werde. Energieminister Krecké versuchte den Einwand zu entkräften, indem er darauf verwies, dass das Fassungsvermögen der Tanks nach dem derzeitigen Verbrauch berechnet wurde. Mit einem dramatischen Rückgang beim Benzinverbrauch rechnet Krecké ohnehin nicht: „Zwischen 1990 und 2010 hat sich der Fuhrpark in Luxemburg verdoppelt.“ Und eine wirkliche Trendwende sei leider nicht in Sicht. Immerhin seien zurzeit 408 000 Fahrzeuge im Großherzogtum immatrikuliert, Tendenz steigend.
 
In dem Zusammenhang mit der Verhältnismäßigkeit kam dann auch die Debatte um die erneuerbaren Energien auf. Wenn die Regierung konsequenter auf erneuerbare Energien setzen würde, könnte die Abhängigkeit vom Erdöl merklich verringert werden, und dann würde man auch kein Tanklager von 300 000 m3 benötigen. Laut Minister Krecké ist dies in der Theorie durchaus richtig. In der Praxis erweise sich das Ganze als wesentlich komplizierter, gab er zu bedenken: „Die erneuerbaren Energien spielen in Luxemburg auch deshalb nur eine untergeordnete Rolle, weil das Land so klein ist“, so Krecké. So können z.B. in einem Umfeld, das fast bis nach Mersch reicht, keine Windräder aufgestellt werden, weil sie die Funktionsweise des Flugradars auf Findel beeinträchtigen. Zudem sei die Akzeptanz der Räder bei den direkten Anwohnern meist recht gering.
 
Zum Schluss stellten die Minister Wiseler und Krecké dann noch klar, dass es sich bei den vorliegenden Plänen noch um Provisorien handele. Bis der erste Bagger anrückt, wird es ohnehin noch dauern. Zuerst muss nämlich das Gelände umklassiert werden. Erst dann können die zahlreichen Genehmigungsprozeduren in die Wege geleitet werden. Allerdings soll der Staat bereits im Besitz eines Teils der erforderlichen Ländereien sein.