Vor dem großen Sprung

9 Oktober 2014 | Lëtzebuerger Journal | CLAUDE KARGER

In den kommenden vier Jahren wird sich im “Ban de Gasperich” enorm viel tun LUXEMBURG CLAUDE KARGER Knapp zehn Jahre ist es nun her, dass der damalige Innenminister Jean-Marie Halsdorf (CSV), Hauptstadtbürgermeister Paul Helminger und die Hesperinger Bürgermeisterin Marie-Th6rese Gantenbein den “Masterplan Bande Gasperich” bei einer Pressekonferenz am 9. November 2004 vorgestellt haben. “Visionen einer neuen Stadt” hatte unser Mitarbeiter Patrick Welter damals seinen Bericht über das Urbanisierungsprojekt zwischen “Cloche d’Or” und Howald betitelt, das bereits einige Jahre zuvor in Angriff genommen wurde.
 
Heute steht auf dem Areal lediglich ein Gebäude: Die neue Luxemburg -Zentrale des l3eratungsunterneh mens PricewaterhouseCoopers. Die Mitarbeiter sind gerade dabei, ihre neuen Büros im “Crystal Park” zu beziehen. “Die Nächf rage ist groß” Sie werden nicht lange alleine auf dem “Ban” bleiben. Während die Begradigungsarbeiten für das “Auehan”-Einkaufszentrum gleich gegenüber bereits laufen, dessen Eröffnung für Ende 2018 geplant ist, entstehen ab Anfang 2015 die verkehrstechnischen Rückgrate des Großprojekt. Die “Boulevards” Raiffeisen und Kockelscheuer. Für Michel Knepper, “Operations Director” des “Ban”-Bauträgers Grossfeld eine eminent wichtige Etappe in der Entwicklung des neuen Stadtviertels. “Den Kunden wird mit dem Bau der zentralen Infrastrukturen vor Augen geführt, dass das Vorhaben jetzt definitiv umgesetzt wird.” “Die Nachfrage ist groß”, sagt Knepper gegenüber dem “Journal”.
 
Neben PricewaterhouseCoopers gebe es auch andere Unternehmen, die sich für die Zusammenlegung ihrer Aktivitäten im “Ban de Gasperich” interessieren würden. Die gute Anbindung an das Autobahnnetz und an den öffentlichen Transport – Bahn, Bus und mittelfristig auch Tram – stünde dabei ganz oben auf der Liste der Motivationsgründe; ebenso die Mischung aus Wohnen, Leben und Einkaufen. Der Grossfeld -Direktor rechnet damit, dass im kommenden Jahr auch die Arbeiten an den vorgesehenen Wohnungsbauprojekten beginnen können. Rund tausend Wohnungen sollen auf dem Areal entstehen, das Wohnen, Arbeiten, Freizeit und Einkaufen verbindet. Neues Fußballstadion: Positiv für das Viertel A propos Freizeit: Parallel zu den Immobilien entsteht ein auch 20 Hektar großer Park sowie eine grüne Pufferzone zwischen dem “Ban” und der “Cloche d’Or”. “Es wird ein sehr grünes Viertel”, unterstreicht Knepper. Nicht nur wegen der Pflanzen, sondern auch wegen der hohen Energieeffizienz -Standards für die Gebäude, die dem “Ban de Gasperich” als erstes Hauptstadtviertel vor drei Jahren die Gold-Zertifizierung der “Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen” einbrachte. Das künftige Wahrzeichen des “Ban” ist der vom Architektenbüro Jim Clemes designte futuristische Wasserturm. Er wird wohl 2017 seinen Betrieb aufnehmen.
 
Bis dahin wird auch das neue “Lycee Vauban” zur Verfügung stehen. Auch in der Umgegend es neuen Viertels wird sich in nächster Zeit sehr viel tun. Auf die Frage, ob etwa der Bau des neuen Fußballstadions in Kockelscheuer bis 2019, die Verkehrsbelastung im “Ban” unerträglich machen könnte, antwortet Michel Knepper gelassen: “Wir sehen das eigentlich als komplementäre Aktivität, die noch mehr Leben ins neue Viertel bringt”. Da Fußballspiele eher an Abenden und Wochenenden stattfinden, sehe er keine verkehrs technische Mehrbelastung durch das Projekt. e STRASSENINFRASTRUKTUREN FÜR DEN BAN DE GASPERICH Warten auf die Boulevards Das Projekt komme erst richtig in Fahrt, sagt Hauptstadtbürgermeisterin Lydie Polfer, wenn die vorgesehenen Straßen Boulevard Raiffeisen und Boulevard de Kockelscheuer fertig gestellt sind. Heute steht man kurz vor der Ausschreibung dieser Arbeiten, die am 29. Oktober beginnt. Lydie Polfer rechnet damit, dass die Prozedur für diese staatlichen Infrastrukturen zügig durchgeht und die Arbeiten schnell in Angriff genommen werden können. Michel Knepper, der Direktor von Grossfeld ist zuversichtlich, dass die Arbeiten Ende Januar 2015 beginnen und bis Ende 2017/ Anfang 2018 abgeschlossen sein können. Bis 2017 soll auch die Anbindung an Kockelscheuer bestehen.
 
CLX VERKEHRSLAGE IN DER GEMEINDE HESPERINGEN Bürgermeister Marc Lies (CSV): ,Mittelfristige Lösungen sind in Sicht” In Hesperingen sieht man sich durch den anstehenden Ausbau des “Ban” einer erhöhten Verkehrsproblematik ausgesetzt. “Die Verkehrssituation bei uns – dies vor allem mit Blick auf die N 3 sowie Rue de Bettembourg und Rue de Contern – ist ohne Zweifel bereits jetzt ein Problem”, kommentiert Marc Lies, Bürgermeister der Gemeinden Hesperingen, die Situation. Er sieht daher Handlungsbedarf, was die Folgen der Verkehrsausrichtung bezüglich des “Ban” angeht: “Sicherlich ist verständlich, dass alle Vorschriften – wie zum Beispiel die Erstellung einer Umweltverträglichkeitsstudie – eingehalten werden müssen. Wir setzen daher auf mittei bis langfristige Lösungen, was die Umfahrung der Gemeinde und weitere Maßnahmen angeht.
 
Nachhaltigkeitsminister Bausch hat uns bei einer Arbeitssitzung bezüglich der ,plans sectoriels’ formell bereits zugesagt, dass wir in die Priorität 1 eingestuft werden. So rechnen wir in den nächsten fünf bis sechs Jahren mit ersten Erfolgen in Form von Entlastungen. Die Umgehungsstraße peilen wir für 2020/25 an.” IZ LEUDELINGEN SEHNT SICH NACH UMGEHUNGSSTRASSE Bürgermeisterin Diane Bisenius-Feipel (DP): “Individualverkehr findet sicher den Weg zu uns” “Ohne Zweifel stellen sich hier unmittelbare Auswirkungen auf die Gemeinden Leudelingen dar”, kommentiert Bürgermeisterin Diane Bisenius-Feipcl die Folgen des Projekt “Ban de Gasperich”. Wenn dort rund 20.000 Arbeitsplätze entstehen, “dann bleibt immer noch ein Rest an Individualverkehr übrig, auch wenn man sehr auf den öffentlichen Transport setzt”, sagt Bisenius-Feipel.
 
Dieser Individualverkehr werde sich, wenn die Achsen, die Autobahnen, zu seien, “sicherlich auch den Weg durch Leudelingen suchen. Das ist ein Problem. Wir müssen da weiter das Gespräch mit der Stadt und den Ministerien suchen.” Schließlich habe man die Gemeinde in den “plans sectorial” leider bezüglich einer Umgehungsstraße nicht mehr berücksichtigt, obwohl dies vorher angedacht war. “Aber wir werden weiterhin darauf pochen”, stellt die Bürgermeisterin klar. Denn nach der Frage nach der Verkehrsituation käme sicher auch die Frage anch dem Wohnraum. “Denn die Arbeitnehmer wollen in der Nähe ihrer Arbeitsstätte wohnen”, sagt Bisenius-Feipel. Das ländlich geprägte Leudelingen müsse sich diesen Problemen gemeinsam mit allen verantwortlichen Institutionen in den komrrienden Jahren stellen.