Stadt und Staat präsentieren ein ambitiöses Timing
im Hinblick auf den Stadionneubau

7 Juni 2014 | Luxemburger Wort

Das sind die Hauptpunkte aus einer Pressekonferenz am Freitagmorgen im Rathaus der Stadt Luxemburg, der neben Bürgermeisterin Lydie Polfer auch Sportminister Romain Schneider, Staatssekretär Camille Gira, die hauptstädtische Sportschöffin Simone Beissel und Paul Philipp, Präsident des nationalen Fußballverbandes FLF, beiwohnten. Viel Neues konnte nicht in Erfahrung gebracht werden. Vielmehr wurde bestätigt, was so in großen Zügen bereits gewusst beziehungsweise erahnt wurde. Optimistischer Minister Am Neubau eines nationalen Stadions wird nicht gerüttelt. Die politischen Entscheidungsträger geben sich weiterhin sehr optimistisch was die Umsetzung anbelangt, gehen sie doch von einer Bauzeit von nur 24 Monaten für eine Arena aus, die sowohl den strengen Normen der Uefa für ein Stadion der Klasse vier (siehe auch den nebenstehenden Kasten) als auch den Vorgaben des internationalen Rugbyverbandes entspricht.
 
Bekanntlich sollen neben der Fußballnationalmannschaft auch die besten Rugbyspieler des Landes hier eine neue Heimat finden. Die Stadt Luxemburg beabsichtigt darüber hinaus, auch die Räumlichkeiten des städtischen “Service des sports” in unmittelbare Nähe zum neuen Stadion zu verlegen, wie gestern zu erfahren war. Wie weiter verlautete, wird voraussichtlich im September 2014 entschieden werden können, welches Architektenbüro und welche Ingenieursgesellschaft mit dem Bau des Stadions beauftragt wird. In 15 Monaten will Polfer das erste Vorprojekt stehen haben, ein Jahr später (Januar 2016) dann das definitive. Im Januar 2017 hofft sie auf den ersten Spatenstich. Minister Schneider gab sich in seiner Rede noch optimistischer als die Bürgermeisterin, als er betonte, dass “Ende 2018 (…) dieses Stadion fertig sein (kann).” Paul Philipp, der all diesen Aussagen mit kritischem Ohr folgte, wird es freuen. Staatssekretär Gira ergänzte, dass die Lage des neuen Stadions “landesplanerisch nicht besser” sein könnte. “Nicht lange nachdem das Stadion fertig gestellt ist, wird auch die Tram kommen”, machte er Mut. Bekanntlich soll in nächster Nähe des Stadions dessen Endhaltestelle gebaut werden. Gira gab zudem bekannt, dass die Regierung plane, “auch einen kleinen Busbahnhof ` am gleichen Ort vorzusehen. Auch sei es möglich. über eine der beiden Autobahnen A3 oder A4 schnell zum neuen Stadion zu kommen. Geplant ist ein Auffangparking mit 1500 Stellplätzen. Der Staatssekretär bestätigte ebenfalls, dass das Stadion in einem ursprünglich als “zone verte interurbaine” ausgewiesenen Sektor liege, dass dies aber aus verschiedenen Gründen keine größeren Probleme stelle. Und wer zahlt jetzt? Am Rande der Pressekonferenz betonten Polfer und Schneider auch, dass man gemeinsam eine Lösung für die zusätzlichen Anforderungen der Ùefa betreffend die Anfang September beginnende Qualifikationsphase finden würde. Vor allem für die Begegnung gegen Spanien am 12. Oktober hat der europäische Dachverband rigorose Verbesserungsmaßnahmen gefordert.
 
Die EM-Qualifikation an sich beginnt bereits -fünf Wochen früher, wenn Weißrussland in Luxemburg zu Gast ist. “Wir wissen noch nicht, welche Anforderungen die Uefa konkret erfüllt haben will”, so Polfer. “Zum gegebenen Zeitpunkt werden die entsprechenden Dienststellen der Stadt Luxemburg analysieren, was zu machen ist und dann werden wir diese Belastungen chiffrieren. Und ich bin überzeugt, dass wir eine Lösung zur Finanzierung finden.” Uefa-Kategorie 4 Die europäische Dachunion der Fußballverbände teilt die länderspieltauglichen Stadien in vier Klassen ein, wobei Kategorie 4 die niedrigste ist. Die Kriterien, die es zu beachten gilt, sind zweigeteilt. Einerseits gibt es Vorgaben, die in jedem Stadion umgesetzt werden müssen, andererseits gibt es solche, die mit höherer Katalogisierung auch strikter ausfallen. Bei einem Sportfeld der Klasse vier wird u. a. gefordert: ? eine Minimalkapazität von 8 000 Personen • eine Umkleidekabine für die Schiedsrichter von mindestens 20 qm mit einer abgetrennten Sitztoilette, fünf Sitzplätzen und einem Schreibtisch ? mindestens 150 VIP-Parkplätze im sicheren Bereich s ein elektronisches Zugangskontrollsystem mit einem mechanischen Zählsystem ? ein permanentes Videoüberwachungssystem ? eine Medientribüne mit mindestens 100 überdeckten Sitzplätzen ? ein Medienkonferenzraum mit mindestens 75 Sitzplätzen ? eine Dopingkontrollstation von mindestens 20 qm Größe ? 1 Sitztoilette pro 250 und 1 Urinal pro 125 Personen ¦ Renovierung statt Vergrößerung INS: Leichtathletikanlage bleibt bei sechs Bahnen Nach dem Wegfall des Stade Josy Barthel – was laut Aussagen der Politiker bei der gestrigen Pressekonferenz frühestens 2019 der Fall sein dürfte müssen sich die Leichtathleten des CSL eine neue Heimat suchen. Bekanntlich ergab sich aus früheren Gesprächen zwischen dem Sportministerium, dem nationalen Leichtathletikverband und dem Hauptstadtclub, dass die Leichtathletikanlage auf dem INS (in unmittelbarer Nachbarschaft des Sportlycée in Fetschenhof-Cents) den Erfordernissen der heutigen Zeit angepasst und zur neuen Heimstätte des CSL werden soll.
 
Wie Romain Schneider gestern aber bekannt gab, wird es lediglich zu einer Modernisierung und nicht zu einer Vergrößerung kommen. Der Sportminister wies darauf hin, dass nicht ausreichend Raum vorhanden sei, um die Anzahl der Bahnen von sechs auf acht zu vergrößern. Das “Luxemburger Wort” hatte bekanntlich bereits Ende Februar in einem größeren Artikel auf die räumliche Enge und die damit verbundenen Zwänge vor Ort hingewiesen.