„Jongenheem“ statt Heim für Alzheimerpatienten

24 Mai 2011 | Luxemburger Wort

Statt eines Foyers für Alzheimer-Patienten wird im Leemerwee im Gaspericher Viertel Sauerwiss ein „Jongenheem“ entstehen. Der hauptstädtische Gemeinderat gab gestern einstimmig seine Zustimmung für die teilweise Abänderung des Teilbebauungsplans (PAP) für das Gebäude, das sich bereits im Stadium des Rohbaus befindet – zum Bedauern des Gaspericher Interessenvereins.
 
Der „PAP Sauerwiss“ aus dem Jahr 1990 sah seit einer Abänderung im November 2006 ausdrücklich vor, dass auf Nummer 15 im Leemerwee ein Heim für 24 Alzheimer-Patienten entstehen sollte. Als die „Association Luxembourg Alzheimer“ (ALA) jedoch von diesem Plan abrückte, schlug das Familienministerium vor, an dieser Stelle eine betreute Wohnstruktur der Vereinigung „Jongenheem“ zu schaffen. Im Gebäude sollen weiterhin 24 Personen betreut werden können – nur eben keine Alzheimer-Patienten, sondern Kinder und Jugendliche. Im Auftrag des „Fonds pour le développement du logement et de l’habitat“, der als Bauherr fungiert, hat das Architektenbüro Schmitz & Hoffmann die Pläne entsprechend abgeändert. Um das Vorhaben zu ermöglichen, schlug der Schöffenrat dem Gemeinderat gestern vor, im schriftlichen und grafischen Teil des PAG den Begriff „domicile protégé Alzheimer“ durch „maison d’hébergement à caractère social“ zu ersetzen. Zu einer längeren Diskussion im Gemeinderat kam es entgegen aller Erwartung nicht. Quer durch die Parteien wurde die Ansicht vertreten, dass es sich um eine wichtige soziale Einrichtung handele. Auf Kritik – auch seitens des Schöffenrats – stieß lediglich die Informationspolitik seitens des Staates bei der Änderung der Bestimmung des Gebäudes. Der Widerstand der Bürger sei vor allem durch einen Mangel an Informationen bedingt, hieß es. „Bei anderen Jongenheemen gibt es in der Nachbarschaft überhaupt keine Probleme“, sagte Rat Marc Angel (LSAP). Fabiana Bartolozzi (Déi Gréng) betonte, dass es sich um Jugendliche handele, „die man nicht zu fürchten braucht“. Isabel Wiseler (CSV) wies auf die Bezeichnung „maison d’hébergement à caractère social“ hin: Es dränge sich die Frage auf, „was alles darunter fallen kann“?
 
Darin besteht dann auch die größte Sorge des Gaspericher Interessenvereins, wie dessen Sekretärin Jacquie Lakaff am Rande der Sitzung gegenüber unserer Zeitung erklärte. Mit einem gut geführten „Jongenheem“ könne man eventuell noch leben – doch was, wenn später einmal eine andere Struktur darin untergebracht werde? Bürgermeister Paul Helminger betonte vorsorglich, dass eine Einrichtung der Fixerstube an dieser Stelle nicht geplant sei.
 
Wie in Bonneweg besteht auch in Gasperich die Sorge, dass das friedliche Zusammenleben durch einen ungesunden sozialen Mix in Frage gestellt wird. Claude Radoux (DP) äußerte die Hoffnung, dass der Staat beim Betrieb des Gebäudes ganz besonders auf die Integration in das Stadtviertel achten werde. (raz)
 
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