Flottes Projekt

9 Oktober 2014 | Lëtzebuerger Journal | PATRICK WELTER

WO STEHEN WIR? Die Idee “Ban de Gasperich” wandelt sich zur Realität Verglichen mit anderen luxemburgischen Großprojekten, egal ob Trambahn oder Agrar-Center, geht es mit dem neuen Hauptstadtviertel “Ban de Gasperich” in Riesenschritten voran. Das ist keineswegs zynisch gemeint.Zehn Jahre Genehmigungszeit für ein Vorhaben dieser Größe sind, gemessen an der luxemburgischen Realität, verdammt kurz.
 
Als die Idee des Ban de Gasperich 2004 bei einer gemeinsamen Pressekonferenz des damaligen Innen- und Landesplanungsministers Jean-Marie Halsdorf mit den Bürgermeisterinnen Lydie Polfer (Luxemburg) und Marie -Therese Gantenbein (Hesperingen) vorgestellt wurde, war man sich in der Journalistenrunde schnell einig: Ein Vorhaben für den Sankt-Nimmerleins-Tag. Irrtum. Wenn zwischenzeitlich auch die großen Verkehrskonzepte rund um die Hauptstadt mehrfach ihr Aussehen geändert haben, so entwickelte sich die Planung für die Gasperieher Wiesen kontinuierlich weiter, trotz zum Teil heftiger Proteste der alteingesessenen Gasperieher, die den freien Blick auf freie Felder nicht missen mochten. Der Widerstand diverser Umweltgruppen und auch der Linken gegen das überdimensionierte Vorhaben für angeblich besser Verdienende ist schlicht verpufft. Selbst die kurzfristig aufflammende Weltwirtschaftskrise 2008/2009 schien – zumindest nach außen – keine Bremswirkung zu haben. Für Grüne und Sozialisten bedeutete die Zustimmung zum Ban des Gasperich ein kräftiges Umdenken. Während der Wirtschaftsflügel der LSAP von Anfang an dafür war, hat sich die “Stater”-LSAP lange mit dem neuen Stadtteil schwer getan.
 
Der Landesplanungsminister des Jahres 2004 wird damals sicher nicht damit gerechnet haben, dass seine Pläne zehn Jahre später von einem grünen Infrastrukturminister exekutiert werden. Der vergleichsweise zügige Fortschritt des “Bande Gasperich” ist mit hoher Wahrscheinlichkeit auch darauf zurückzuführen, dass dort internationale Unternehmen federführend sind, sowohl als Projektentwickler, Planer und Bauträger, als auch als Bauherren wie PriceWaterhouseCoopers oder Auchan. Rein luxemburgische Projekte brauchen länger, selbst wenn sie in direktem Kontakt zum Ban de Gasperich stehen, wie die geplante Feuerwache der Berufsfeuerwehr inklusive Feuerwehrschule am Kreisel “Gluck” zeigt. Hier wird schon erheblich länger geredet als geplant. Trotz diverser Änderungen ist das Konzept immer noch gleich: Eine Mischung aus Arbeiten, Wohnen, Einkaufen und Erholen – darüber ob das Verhältnis zwischen Arbeitsplätzen und Einwohnern stimmig ist, kann man sich streiten. Unstrittig ist das Konzept zur Erschließung des Viertels durch den schienengebundenen Personennahverkehr.
 
Einmal durch den Ausbau des heute faktisch ungenutzten Haltepunkts Howald zu einem echten Stadtrandbahnhof. Zum anderen durch die konsequente Verlängerung der ersten Trambahnlinie bis zur südlichen Seite der A3. Die Tram stand zwar von Anfang an in den Plänen – “für irgendwann Mal”. Ban de Gasperich und Trambahn machen aber nur im Zusammenspiel Sinn, das hat die Blau -rot -grüne Regierung richtig erkannt und sich für die lange Trambahntrasse entschieden. Nicht minder intelligent, obwohl von den üblichen Verdächtigen heftig bekämpft, war die Entscheidung, das neue Fußballstadion am südlichen Rand der “Neustadt” zu errichten. Das Stadion ist nicht “janz weit drauß-en” und der Ban de Gasperich keine Bürowüste im Nirgendwo. Das Stadion passt perfekt in das ursprüngliche Konzept der funktionalen Durchmischung. Die Verwirklichung der Idee “Ban de Gasperich” wird spannend bleiben.