Flavio Becca: „Der Buhmann in Vorwahlzeiten“

3 Oktober 2013 | Luxemburger Wort

Die Freude über diesen wichtigen Meilenstein für das Urbanisierungsprojekt wird derzeit aber um eine reichlich mediatisierte Zahlungsposse getrübt. Die „fehlenden“ 4 Millionen Euro sind zwar inzwischen auf dem Konto der Stadt Luxemburg eingegangen. Doch: „Nicht fristgerecht“, sagt Hauptstadtbürgermeister Xavier Bettel. „Im Einklang mit den unterschriebenen Konventionen“, erwidern Flavio Becca und Kris Verhellen als Vertreter der Promotorenfirma PAP Grossfeld.
 
Die gute Nachricht rückt in den Hintergrund
 
„Schade, dass die eigentliche Nachricht – nämlich, dass im Ban de Gasperich die ersten Infrastrukturarbeiten angelaufen sind – damit in den Hintergrund gerückt wird“, meinte Kris Verhellen, CEO von Extensa, am Mittwoch gegenüber dem „Luxemburger Wort“. Extensa, Tochterunternehmen der belgischen Firma Ackermans & Van Haaren, ist Co-Investor in der PAP Grossfeld, zusammen mit Flavio Beccas Promobe.
 
Tatsächlich habe ein Abkommen mit der Stadt Luxemburg bestanden, nachdem der Olos-Fund als Grundstückbesitzer und die PAP Grossfeld als Promotor die sekundären Infrastrukturen finanziell zu tragen hätten, betonte Verhellen. Diese Summe habe sich auf 13 Millionen Euro belaufen, neun davon als Bankgarantie. „Und die Bankgarantie wurde bereits vor 16 Monaten hinterlegt“, so Verhellen weiter.
 
Im März sei dem Unternehmen dann mitgeteilt worden, dass die Restsumme – die nun umstrittenen 4,2 Millionen Euro – bei Baubeginn fällig seien. „Und der war für Mai 2013 vorgesehen. Dabei stand in dem Abkommen, dass zu diesem Zeitpunkt der offizielle Zuschlag im Rahmen der Auschreibungen bereits erfolgt sein müsste. Was aber nicht der Fall war“, erklärte Becca.
 
Laut Kris Verhellen ist es daraufhin zu einem Austausch zwischen den entsprechenden Abteilungen der Stadt Luxemburg und des Promotorenunternehmens gekommen. „Einfach nur um einen besseren Durchblick zu erhalten“, fügte Verhellen hinzu. „Schlieβlich handelt es sich um komplizierte administrative Vorgänge“. So sei dann auch die Frist vom 1. Oktober zustande gekommen. „Und das war der Stadt Luxemburg bekannt“, bekräftigte der Extensa-CEO. Die jüngsten Vorgänge seien deshalb wohl auch eher auf Kommunikationsprobleme zurückzuführen.
 
Bescheinigung vom Einnehmer?
 
Laut Flavio Becca wurde die Stadt Luxemburg noch am 24. September via E-Mail darüber in Kenntnis gesetzt, dass die Zahlung der 4,2 Millionen Euro nun für den 1. Oktober erfolgen sollte. „Was vom Einnehmer denn auch bescheinigt wurde“, so der Promotor aus Düdelingen weiter.
 
Er sei es gewohnt, dass die Öffentlichkeit immer hellhörig bei seinem Namen wird. Ihm sei aber aufgefallen, dass er zuletzt immer in Vorwahlzeiten zum Buhmann werde. „Und das immer im Oktober. Etwas ähnliches war auch vor den Gemeindewahlen 2011 der Fall. Bevor die Medien über mich berichten können, müssen sie auch die Informationen erhalten. Ob die nun stimmen oder nicht. Dabei scheinen diese immer aus dem gleichen Lager zu kommen“, meinte Becca etwas enttäuscht.
 
Wohnungen, Büros und ein Hotel
 
Das soll die PAP Grossfeld nun aber nicht daran hindern, die nächste Bauphase anzugehen, meinte Kris Verhellen. Zurzeit bereite man die Baugenehmigungen für die verschiedenen Blöcke vor: ein Wohnblock, ein Geschäftsblock und ein Mischblock mit Freizeitelementen, Büros und möglicherweise einem Hotel. Der entsprechende Teilbebauungsplan (PAP) sei bereits 2010 genehmigt worden, so Becca.
 
Man habe ab diesem Zeitpunkt bereits vieles vorbereiten können, doch schlussendlich musste das Unternehmen den Beginn der Infrastrukturarbeiten abwarten. „Um die Gebäude vermarkten zu können, muss schließlich auch eine Straße daran vorbeiführen“, so Verhellen augenzwinkernd. „Diese Etappe war auf jeden Fall wichtig und wir sind glücklich, dass es jetzt so weit ist. Wir haben 13 Jahre darauf hin gearbeitet“, ergänzte der belgische Investor.
 
Besondere Priorität genießt laut Flavio Becca der Wohnblock, in dem rund 800 Einheiten auf 70 000 Quadratmetern entstehen sollen. PAP Grossfeld habe in diesem Zusammenhang eine Vorreiterrolle übernehmen und als eines der ersten Unternehmen überhaupt das Abkommen unterzeichnet, wonach zehn Prozent der Gesamtwohnfläche aus Sozialwohnungen bestehen sollen.
 
Auch auf die Grünflächen sind die Promotoren im Ban de Gasperich stolz: Der vorgesehene Park soll mitsamt des Baggersees doppelt so groß werden, wie der Stadtpark. Überhaupt blieben 50 Prozent des 80 Hektar großen Urbanisierungsprojekts für Grünfläche vorbehalten, so Flavio Becca abschließend.