Das aktuelle Stade Josy Barthel riskiert, noch lange Heimstätte der Luxemburger Fußballer zu bleiben

18 Februar 2014 | Luxemburger Wort

Dabei ist es der FLF mittlerweile egal, wo das Stadion gebaut wird – nur gebaut werden soll es! Denn auch wenn die Drohungen des Präsidenten des europäischen Verbandes (Uefa), Michel Platini, während seiner Stippvisite im vergangenen September hierzulande noch mit einem Lächeln abgetan werden konnten (immerhin glaubte man zu diesem Zeitpunkt noch an die versprochene, kurzfristige Renovierung), so mag man sich dieser Tage die Gedankengänge der Entscheidungsträger der Uefa nicht vorstellen, als diese vom erneuten Wechsel der Luxemburger Ideen Wind bekamen. Zur Erinnerung: Der Europameister von 1984 will dem Luxemburger Verband nicht länger einen Freifahrtschein für internationale Begegnungen ausstellen, wenn weiterhin hierzulande kein einziger Austragungsort den internationalen Gepflogenheiten entspricht.
 
Dabei ist das Stadion nicht nur für die FLF-Auswahl nötig! Auch die besten einheimischen Vereinsmannschaften, die mittlerweile immer öfters bis in eine dritte oder gar vierte Qualifikationsrunde eines europäischen Wettbewerbs vorstoßen, dürfen in dieser Phase des Wettbewerbes momentan nur noch mit einer Ausnahmegenehmigung in ihren lokalen Vereinsstadien spielen.
 
Zunächst die Tram
 
Man kann den FLF-Vorsitzenden nur bedauern, wenn er Platini in nächster Zeit Rede und Antwort stehen muss, warum noch mindestens während zehn Jahren im Stade Josy Barthel gespielt werden muss! Und dieser Zeitraum scheint keineswegs übertrieben.
 
Neue Autobahnbrücke
 
Fakt ist, dass das am vergangenen Freitag vorgestellte Stadion ohne die notwendigen infrastrukturellen Änderungen vor Ort nicht vorstellbar ist. Die Frage nach der Henne und dem Ei stellt sich in diesem Fall nicht. Das Stadion soll in Kockelscheuer gebaut werden, weil in der “Stratégie globale pour une mobilité durable”, kurz MODU genannt, eben an dieser Stelle der Endbahnhof der zu bauenden Tram neben einem für 1 000 Autos ausgelegten Auffangparking vorgesehen sind (in der Studie wird der Standort leicht irreführend als “Cloche d’Or” bezeichnet). Anders als beim möglichen Standort “Porte de Hollerich”, wo Auffangparking und Autobahnanschluss bereits jetzt vorhanden sind (und ein zusätzlicher Bahnhof im MODU vorgesehen ist), will/muss man auf Kockelscheuer dies alles noch schaffen.
 
Dies bringt auch eine Reihe an straßenbaulichen Veränderungen mit sich. Sowohl die Streckenführung nach Leudelingen als auch jene nach Bettemburg werden leicht verschoben, wie aus der am Freitag verteilten Skizze ersichtlich war. Aufwendiger – aus zeitlicher, finanzieller und logistischer Sicht – wird die neue Autobahnbrücke, die den Ban de Gasperich mit diesem Verkehrsknotenpunkt verbinden soll. Dies alles ist im MODU-Projekt detailliert vorgestellt.
 
Es macht Sinn, den Stadionbau erst anzugehen, wenn es dem Zuschauer möglich ist, ihn gefahrenfrei zu erreichen. Anreisealternativen gibt es heute kaum! Aus verschiedenen Gründen sind weder die Industriezone auf der Cloche d’Or noch der P+R unweit der Eissporthalle Kockelscheuer optimale Angebote für ein Stadion an der erwähnten Stelle. Zumindest momentan liegt da das aktuelle Stade Josy Barthel mit Busanbindungen und Parkhaus verkehrsgünstiger.
Doch das wird sich in den kommenden Jahren ändern. 2017 soll die Tram auf ihrem ersten Teilstück zwischen Kirchberg (Flughafen) und Luxemburg-Bahnhof fertiggestellt sein. Eine Zeitspanne, die recht klein ist für ein solches Mammutprojekt, und ein Termin, der entsprechend ambitiös ist.
 
Bis 2020 soll der erste Teil des MODU-Projekts umgesetzt worden sein (der sogenannte Horizon 2020/Grafik unten links). Übrigens soll dann die vorhin erwähnte Porte de Hollerich ihre Bahnstation bereits erhalten haben. In einer zweiten Phase, die ursprünglich als Horizon 2030 (!) bezeichnet wurde, wird die Tramlinie dann verlängert. Eben auch bis nach Kockelscheuer (unter dem Namen Cloche d’Or im Projekt vorgesehen). Infrastrukturminister François Bausch hatte bereits angekündigt, dass man dieses Teilstück vorziehen wolle. Löblich. Doch die Anbindung hin nach Kockelscheuer (Terminus) kann erst geschehen, wenn die restliche Strecke fertiggestellt ist. Und diese führt nicht etwa direkt vom Bahnhofsviertel hinauf über die Cloche d’Or, sondern zunächst über Bonneweg und Howald (siehe Grafik unten rechts). Dabei begreift das MODU-Projekt weitaus mehr als nur den Bau der Tram. Und bedarf dementsprechend einer langen Bauphase.
 
Drängelnde Uefa
 
Selbst wenn sich zum jetzigen Zeitpunkt kaum einer findet, der die Planung der Tram mit dem (fast unendlich dauernden) Bau der Nordstraße vergleichen möchte, so wird doch niemand bestreiten, dass in Luxemburg “Wunder” etwas länger dauern als im Ausland. Respekt, wenn die aktuelle Regierung beabsichtigt, das Unternehmen “Mobilité durable” in nur zehn Jahren komplett umzusetzen. Denn es muss zu sehr großen Teilen stehen, ehe im neuen Stadion der Ball rollen kann.
 
Weitere zehn Jahre Minimum auf ein zeitgemäßes Stadion warten? Da würden sich nicht nur die Uefa-Funktionäre auf den Arm genommen fühlen. Doch man kann nun nachvollziehen, warum sich am vergangenen Freitag niemand zur geplanten Zeitspanne bis zur Stadioneröffnung äußern wollte. Dabei hätte diese Frage auch Philipp und die gesamte FLF brennend interessiert.